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Backblaze im Check: Cloud-Backup clever und sicher

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Backblaze im Check: Cloud-Backup clever und sicher

Du denkst, deine Daten sind sicher, nur weil du sie auf einer externen Festplatte speicherst? Herzlichen Glückwunsch – du bist genau das Zielpublikum für diesen Artikel. Denn wer heute noch kein Cloud-Backup nutzt, spielt digitales Russisch Roulette. Wir haben uns Backblaze, einen der aggressivsten Player im Cloud-Backup-Markt, ganz genau angesehen: Was kann der Dienst technisch? Wo liegen die Schwächen? Und ist “unlimited Backup” wirklich grenzenlos? Willkommen zur schonungslos ehrlichen Analyse.

  • Was Backblaze eigentlich ist – und warum es sich von anderen Cloud-Backup-Diensten unterscheidet
  • Technische Infrastruktur, Sicherheitsarchitektur und Datenverschlüsselung im Detail erklärt
  • Unbegrenztes Backup – Marketing-Gag oder echte Leistung?
  • Wie Backblaze mit Bandbreite, Versionierung und Wiederherstellung umgeht
  • Performance, Upload-Geschwindigkeit und Restore-Prozesse im Härtetest
  • Die wichtigsten Features von Backblaze im Vergleich zu Alternativen wie iDrive, Acronis oder Google Drive
  • Was Backblaze für Unternehmen (noch) nicht kann – und warum das okay ist
  • Preismodell, Fair Use und wo die (unausgesprochenen) Grenzen liegen
  • Ein kritischer Blick auf Datenschutz, Serverstandorte und DSGVO-Konformität
  • Fazit: Für wen Backblaze ein No-Brainer ist – und wer lieber die Finger davon lässt

Backblaze Cloud Backup: Was steckt technisch dahinter?

Backblaze ist kein fancy SaaS-Startup mit hipper UI und glitzernder UX – sondern ein knallhart optimierter Cloud-Backup-Dienst, der sich auf das konzentriert, was wirklich zählt: Datensicherheit, Automatisierung und Skalierbarkeit. Die Architektur basiert auf einer proprietären Storage-Plattform namens Backblaze Vault, die auf redundanter Hardware mit Erasure Coding basiert. Das bedeutet: Deine Daten werden in 20 Fragmente zerteilt, und nur 17 davon werden benötigt, um die Datei wiederherzustellen. Ergebnis: Hochverfügbarkeit ohne klassischen RAID-Overhead.

Die Software läuft als unauffälliger Hintergrunddienst unter Windows und macOS, scannt dein Dateisystem inkrementell und lädt veränderte Dateien automatisch in die Cloud. Dabei werden alle Daten clientseitig mit AES-128 verschlüsselt und dann über HTTPS (TLS 1.2+) an das Rechenzentrum übertragen. Wer will, kann zusätzlich einen privaten Encryption Key definieren – was bedeutet, dass Backblaze selbst keine Möglichkeit mehr hat, deine Daten zu entschlüsseln. Aber Achtung: Vergisst du den Key, ist alles futsch.

Die Daten werden in US-Rechenzentren gespeichert – genauer gesagt in Sacramento, Kalifornien, und Phoenix, Arizona. Das ist aus Performance-Sicht okay, aus DSGVO-Sicht allerdings ein Graubereich. Denn obwohl Backblaze den Data Privacy Framework Vertrag (Nachfolger von Privacy Shield) unterstützt, bleibt die Speicherung in den USA ein Risiko für europäische Unternehmen, die Compliance ernst nehmen müssen.

Technisch gesehen ist Backblaze ein Paradebeispiel für effiziente Client-Server-Kommunikation, saubere Protokollierung und minimalen Ressourcenverbrauch. Die Software erkennt Dateiänderungen via Dateisystem-Hooks und arbeitet mit deduplizierten Chunks, um Bandbreite zu sparen. Der Scheduler läuft ressourcenschonend im Hintergrund und kann auf Wunsch nur in Idle-Zeiten oder über Nacht aktiv sein.

Unlimited Backup – was Backblaze wirklich meint

Backblaze wirbt aggressiv mit “unlimited backup for just $9/month”. Klingt wie ein No-Brainer, oder? Aber wie immer im Leben: Unlimited ist nicht gleich unlimited. Was Backblaze meint, ist: Du kannst so viele Daten sichern, wie du willst – solange sie sich auf einem internen Laufwerk befinden und du keine Server oder Netzlaufwerke einbindest. USB-Platten? Nur, wenn sie regelmäßig angeschlossen sind. NAS-Systeme? Nope. Externe RAID-Arrays? Vergiss es.

Der Dienst scannt und sichert automatisch alle Benutzerverzeichnisse, kann aber auf Wunsch angepasst werden – etwa um Systemdateien, bestimmte Dateitypen oder Ordner auszuschließen. Die “unbegrenzte” Komponente bezieht sich also auf den Umfang der Daten, nicht auf die Art der Geräte. Wer ein professionelles Setup mit mehreren Maschinen, Netzwerkshares oder gar Servern betreibt, ist bei Backblaze Personal Backup falsch aufgehoben – dafür gibt’s B2 Cloud Storage oder Business Backup, zwei separate Produkte mit anderen Konditionen.

Apropos “Fair Use”: Backblaze hat keine harten Limits, aber wer es übertreibt – sagen wir, 50 TB Video-Rohmaterial hochlädt – wird irgendwann kontaktiert. Nicht gelöscht, aber beobachtet. Das Unternehmen lässt sich hier eine gewisse Flexibilität offen, was aus wirtschaftlicher Sicht verständlich ist. In der Realität reicht das Limit für 99 % aller Nutzer locker aus – für Power-User mit exzessivem Speicherbedarf ist B2 die bessere Wahl.

Die Upload-Geschwindigkeit hängt primär von deiner Leitung ab, wird aber durch Backblaze nicht künstlich gedrosselt. Dank Multi-Threaded Uploads kann der Client auch symmetrische Gigabit-Leitungen ausreizen. Die Performance ist stabil, auch bei längeren Uploads – ein Verdienst der robusten Chunks und intelligenten Retry-Logik.

Versionierung, Restore-Strategien und Datenwiederherstellung

Ein Backup ist nur so gut wie seine Restore-Strategie. Und hier punktet Backblaze überraschend stark. Standardmäßig werden alle Versionen einer Datei für 30 Tage aufbewahrt – das heißt, selbst wenn du eine Datei versehentlich überschreibst, kannst du sie innerhalb dieses Zeitfensters wiederherstellen. Gegen Aufpreis (Extended Version History) lassen sich Versionen sogar für unbegrenzte Zeit speichern – praktisch für Entwickler, Kreative oder paranoide Archivfreunde.

Der Restore-Prozess ist denkbar einfach: Du meldest dich im Webinterface an, wählst die gewünschten Dateien und bekommst ein ZIP-Archiv zum Download. Oder – und jetzt wird’s interessant – du bestellst dir per Post eine USB-Festplatte mit deinen Daten. Die bekommst du gegen Kaution geschickt, kannst sie nach dem Restore behalten oder kostenlos zurücksenden und bekommst die Kaution erstattet. Für größere Datenmengen eine clevere Lösung, da der Download von mehreren TB schnell zur Geduldsprobe wird.

Wer mag, kann auch per API auf seine Daten zugreifen – allerdings ist dieses Feature primär bei B2 Cloud Storage vorgesehen. Für reguläre Backblaze-User spielt die API keine Rolle. Trotzdem: Die interne Architektur ist so gebaut, dass ein Wechsel von Personal Backup zu B2 technisch unkompliziert möglich ist – und das ist ein strategischer Vorteil gegenüber Wettbewerbern mit proprietären Formaten.

Ein Restore auf einen neuen Rechner ist ebenfalls simpel: Software installieren, Account verknüpfen, Backup auswählen – fertig. Backblaze erkennt die neue Hardware und stellt die Daten inklusive Ordnerstruktur wieder her. Auch hier zeigt sich die durchdachte Client-Logik: kein kryptisches UI, kein unnötiger Schnickschnack, sondern funktionale Klarheit.

Backblaze im Vergleich: iDrive, Acronis und der Rest

Der Cloud-Backup-Markt ist voll mit Anbietern, die alle irgendwie das Gleiche versprechen – aber selten das Gleiche liefern. iDrive etwa bietet mehr Features (inklusive Sync und Remote-Management), ist aber deutlich komplexer in der Bedienung – und kostet ab einem gewissen Datenvolumen spürbar mehr. Acronis punktet mit Enterprise-Funktionen, ist aber überdimensioniert für private Anwender. Google Drive, Dropbox oder OneDrive? Kein echtes Backup, sondern File-Sync mit Versionierung – also nichts für ernsthafte Datensicherung.

Backblaze positioniert sich dazwischen. Es ist kein Alleskönner, kein Sync-Tool, kein File-Sharing-Service. Es ist ein dediziertes Backup-System – und genau das macht es so gut. Die Software ist schlank, die Performance solide, die Wiederherstellung unkompliziert und der Preis fair. Wer keine Lust auf Konfiguration hat und einfach nur seine Daten sicher wissen will, bekommt hier die vermutlich effizienteste Lösung am Markt.

Für Unternehmen ist der Umstieg auf B2 Cloud Storage oder Business Backup empfehlenswert, da hier zusätzliche Features wie Gruppenmanagement, SSO, Admin-Konten und zentrale Steuerung zur Verfügung stehen. Aber auch hier gilt: Fokus auf Backup, nicht auf Kollaboration. Wer ein vollintegriertes SaaS-System sucht, ist bei anderen Anbietern besser aufgehoben.

Datenschutztechnisch ist Backblaze okay – aber nicht perfekt. Die Speicherung in den USA bleibt ein Risiko, auch wenn TLS, AES-Verschlüsselung und private Keys das Risiko minimieren. Wer DSGVO-konforme Speicherung in der EU braucht, muss auf andere Anbieter ausweichen – oder bei Backblaze auf eigene Verantwortung agieren.

Fazit: Für wen sich Backblaze lohnt – und wer besser weitersucht

Backblaze ist kein Tool für Control-Freaks, Bastler oder Enterprise-Sysadmins mit 17 Backup-Plänen. Es ist ein Produkt für Menschen, die ein einfaches, stabiles, sicheres Cloud-Backup wollen – ohne sich durch Menüs zu klicken oder Policies zu schreiben. Wer ein Notebook, einen Desktop oder ein simples Setup sichern will, bekommt hier maximale Leistung für minimale Komplexität.

Die Technik unter der Haube ist solide, durchdacht und hochverfügbar. Die Restore-Optionen sind praxisnah, die Performance stabil, das Preismodell fair. Wer allerdings externe Platten, Netzlaufwerke oder Server sichern will, stößt schnell an Grenzen – und muss auf B2 oder Alternativen ausweichen. Auch die USA-Speicherung ist ein legitimer Kritikpunkt für Datenschutz-Enthusiasten. Aber für alle anderen gilt: Backblaze ist ein verdammt guter Deal. Und wer seine Daten immer noch nicht in der Cloud sichert, hat das Internet nicht verstanden.

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