LEGO Serious Play: Kreative Strategie für smarte Teams – oder Management-Esoterik im Klötzchenformat?
Du hast ein Team, das sich im Meeting lieber hinter PowerPoint-Folien versteckt als echte Ideen zu liefern? Willkommen in der Komfortzone der Innovationsverweigerer. LEGO Serious Play verspricht, diese kreative Lähmung zu lösen – mit bunten Steinen und verdammt viel Methodik. Klingt kindisch? Ist es auch. Aber genau deshalb kann es funktionieren. Wenn du wissen willst, warum das Klötzchenbauen vielleicht die strategischste Entscheidung deines Jahres ist, lies weiter.
- Was LEGO Serious Play wirklich ist – und warum es mehr als nur ein nettes Teamevent ist
- Die wissenschaftliche und psychologische Grundlage der Methode
- Wie LEGO Serious Play in Strategieentwicklung, Innovationsprozessen und Change Management eingesetzt wird
- Welche Teams davon profitieren – und welche garantiert scheitern
- Konkrete Schritte zur Implementierung im Unternehmensalltag
- Typische Fehler und warum 90 % der Workshops zu Ikea-Baukasten-Therapie verkommen
- Warum LEGO Serious Play kein Allheilmittel ist – aber ein verdammt gutes Werkzeug
- Die besten Tools, Sets und Frameworks für den Einstieg
- Wie man echte Ergebnisse aus einem Haufen Plastik extrahiert
LEGO Serious Play: Definition, Ursprung und warum du das nicht einfach weglachen solltest
LEGO Serious Play (LSP) ist eine moderierte Workshop-Methode, bei der Teilnehmer mithilfe von LEGO-Steinen metaphorische Modelle bauen, um komplexe Themen zu analysieren, zu diskutieren und zu lösen. Entwickelt wurde die Methode Ende der 90er-Jahre von LEGO selbst – in Zusammenarbeit mit dem IMD Lausanne und Professoren der Wirtschaftswissenschaften. Ziel war es, eine Methode zu schaffen, die strategisches Denken, Kollaboration und Kreativität auf ein neues Level hebt. Und ja, das mit Plastikklötzen.
Hinter dem spielerischen Ansatz steckt die sogenannte „Hand-Gehirn-Verbindung“: Das Bauen mit den Händen aktiviert neuronale Netzwerke, die beim reinen Sprechen nicht genutzt werden. So werden unbewusste Gedanken, implizites Wissen und neue Perspektiven sichtbar gemacht. Klingt nach Esoterik? Mag sein – aber es funktioniert. Und zwar nicht, weil die Steine magisch wären, sondern weil die Methode klare Regeln, Struktur und Psychologie kombiniert.
LSP ist kein Spiel. Es ist eine strukturierte, facilitierte Methode, die auf vier zentralen Prinzipien basiert: Konstruktion, Metapher, Storytelling und Reflexion. Jeder Teilnehmer wird gezwungen (ja, gezwungen), seine Gedanken zu visualisieren, zu erklären und in einen gemeinsamen Kontext zu setzen. Das eliminiert typische Workshop-Dynamiken wie Alphatiere, Laberbacken und stille Mitläufer. Jeder baut. Jeder spricht. Jeder wird gehört.
Wer bei LSP an Teambuilding-Spielchen denkt, hat das Konzept nicht verstanden. Es geht nicht um spaßiges Basteln, sondern um strategische Erkenntnis. Ob es um Geschäftsmodell-Innovation, Prozessoptimierung oder Kulturtransformation geht – LEGO Serious Play kann dort helfen, wo klassische Methoden versagen. Nämlich dann, wenn die Realität zu komplex, die Meinungen zu konträr und die Sprache zu abstrakt ist.
Wissenschaftliche Basis: Warum LEGO Serious Play psychologisch funktioniert
LEGO Serious Play ist keine Spielerei, sondern basiert auf fundierten wissenschaftlichen Konzepten. Die Methode vereint Elemente aus der konstruktivistischen Lerntheorie (Piaget, Papert), systemischem Denken, Design Thinking, narrativer Psychologie und Neurodidaktik. Besonders relevant ist die Theorie des “Constructionism” von Seymour Papert: Wissen wird besser verstanden, wenn es durch aktives Bauen und Gestalten entsteht. Genau das macht LSP.
Das Bauen mit LEGO aktiviert beide Gehirnhälften: Die linke, analytische Seite wird durch Struktur, Logik und Ordnung angesprochen, während die rechte, kreative Seite durch Metaphern, Emotionen und visuelle Ausdrucksformen aktiviert wird. Das Ergebnis: Mehr neuronale Aktivität, mehr Erkenntnisse, mehr Engagement.
Zusätzlich wird das sogenannte “Flow-Erleben” gezielt erzeugt: Teilnehmer geraten in einen Zustand hoher Konzentration und intrinsischer Motivation. Das senkt kognitive Barrieren, reduziert Filter und bringt authentische Aussagen zutage. Anders gesagt: Du bekommst endlich ehrliche Antworten von deinem Team – nicht das, was sie denken, was du hören willst.
Auch die Gleichschaltung der Teilnehmer ist ein psychologischer Coup: Indem alle mit denselben Mitteln (LEGO-Steine) arbeiten und dasselbe Format (Bauen, Erzählen, Reflektieren) nutzen, wird Statusdenken minimiert. Es gibt keine “wichtigen” und “unwichtigen” Stimmen. Alle werden gleich gehört. Für Unternehmen mit toxischer Meetingkultur ein Gamechanger.
LEGO Serious Play in der Praxis: Strategieentwicklung, Innovation und Change-Prozesse
LEGO Serious Play ist vielseitig einsetzbar – aber nur dann effektiv, wenn es richtig angewendet wird. In der Strategieentwicklung können Teams komplexe Geschäftsmodelle visualisieren, Marktveränderungen simulieren und verschiedene Zukunftsszenarien durchspielen. Das funktioniert besonders gut, wenn Unsicherheit herrscht – also immer.
Im Innovationsmanagement hilft LSP, Nutzerbedürfnisse greifbar zu machen, neue Produkte zu denken oder interne Prozesse neu zu konfigurieren. Durch die Metaphernbildung entstehen Ideen, die über das Offensichtliche hinausgehen. Wer ernsthaft innovativ sein will, muss raus aus dem PowerPoint-Korsett – und rein in die Hände.
Change Management? Hier ist LSP fast schon Therapie. Mitarbeiter bauen ihre Sicht auf bestehende Strukturen, Ängste, Ziele und Hoffnungen. Führungskräfte sehen plötzlich, was ihre Change-Kommunikation wirklich bewirkt – oder eben nicht. Das kann hart sein. Aber heilsam.
Ein typischer Ablauf sieht so aus:
- Warm-up: Einführung in die Methode und erste Bauübungen zur Aktivierung
- Individuelles Bauen: Jeder Teilnehmer visualisiert seine Sicht auf ein Thema
- Storytelling: Jede Person erklärt ihr Modell – keine Interpretation durch andere
- Gemeinsames Modell: Die Gruppe baut eine kollektive Version der Realität
- Reflexion: Was ist neu, überraschend, widersprüchlich?
- Action Planning: Ableitung konkreter Maßnahmen und Verantwortlichkeiten
Alles moderiert durch einen zertifizierten LSP-Facilitator – der übrigens nicht der Chef sein sollte. Denn der redet sonst wieder alles kaputt.
Grenzen der Methode: Wo LEGO Serious Play scheitert – und warum das gut so ist
LEGO Serious Play ist kein magisches Wundermittel. Es funktioniert nicht überall – und schon gar nicht bei jedem Team. Wenn die Unternehmenskultur toxisch ist, Hierarchien zementiert sind und psychologische Sicherheit fehlt, wird aus LSP schnell eine peinliche Bastelstunde. In solchen Umfeldern braucht es erst andere Interventionen, bevor LSP überhaupt Sinn ergibt.
Auch bei rein operativen Themen – wie Budgetplanung oder Prozessdokumentation – ist LSP fehl am Platz. Die Methode lebt von Ambiguität, Kreativität und Offenheit. Wer klare Ja/Nein-Antworten erwartet, wird enttäuscht. Ebenso ungeeignet ist LSP für Teilnehmer, die keine Lust oder Fähigkeit zur offenen Kommunikation haben. Wer nur baut und nichts sagt, sabotiert den Prozess.
Ein weiteres Risiko: Facilitator, die die Methode nicht verstanden haben. LSP ist keine DIY-Methode, die man nach dem Lesen eines eBooks anwenden kann. Ohne professionelle Moderation kippt der Workshop schnell in Chaos, Beliebigkeit oder Pseudo-Reflexion. Und das bringt exakt gar nichts – außer Frust.
Und ja, auch Überanwendung ist ein Problem. Nicht jedes Meeting braucht LEGO. Wer LSP inflationär einsetzt, entwertet die Methode. Sie verliert ihre Kraft, wenn sie zur Pflichtveranstaltung wird. Weniger ist hier mehr – dafür aber richtig.
LEGO Serious Play richtig implementieren: Tools, Sets und Best Practices
Wer LEGO Serious Play ernsthaft nutzen will, braucht mehr als ein paar bunte Steine. Hier ein Überblick, wie du die Methode professionell implementierst:
- Offizielle Sets: Die LEGO Serious Play Kits (Starter Kit, Connections Kit, Identity & Landscape Kit) sind speziell für Workshops konzipiert. Kein Vergleich zu normalen LEGO-Sets.
- Facilitator-Ausbildung: Lass dich zertifizieren. Anbieter wie Rasmussen Consulting oder Strategic Play bieten weltweit anerkannte Trainings.
- Workshop-Design: Plane mindestens 4 Stunden ein – besser einen ganzen Tag. Und klär vorher die Zielsetzung. LSP ist kein Selbstzweck.
- Teilnehmerauswahl: Keine Zwangsteilnahme. Nur motivierte Teilnehmer bringen Ergebnisse. Der Rest baut halt einen Turm.
- Dokumentation: Fotografiere alle Modelle, protokolliere Aussagen und leite konkrete Maßnahmen ab. Sonst bleibt’s beim netten Erlebnis ohne Output.
Pro-Tipp: Kombiniere LSP mit anderen Methoden wie Business Model Canvas, SWOT oder Design Sprints. So holst du das Maximum aus dem Workshop – und verbindest Visualisierung mit Analyse und Umsetzung.
Fazit: LEGO Serious Play – Spielzeug oder Strategie-Waffe?
LEGO Serious Play ist kein Kinderkram. Es ist ein hochwirksames Werkzeug für Teams, die mehr wollen als Phrasen und Statusberichte. Wer bereit ist, sich auf die Methode einzulassen, bekommt tiefe Einsichten, echte Beteiligung und konkrete Handlungsimpulse. Richtig eingesetzt kann LSP Denkblockaden sprengen, Silos aufbrechen und echte Innovation ermöglichen.
Aber: LSP ist kein Plug-and-Play-Tool. Es braucht Vorbereitung, Professionalität und eine Unternehmenskultur, die Offenheit zulässt. Ohne das wird aus der Methode schnell ein peinlicher Baustein-Zirkus. Wer jedoch den Mut hat, gewohnte Denkpfade zu verlassen, wird mit Erkenntnissen belohnt, die kein Whiteboard der Welt liefern kann. LEGO Serious Play ist kein Spiel. Es ist Strategie. Nur eben mit Steinen.
