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Strato im Check: Hosting-Power für Profis und Gründer

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Strato im Check: Hosting-Power für Profis und Gründer

Große Versprechen, günstige Preise und ein Auftritt wie aus dem Jahr 2012 – Strato ist der Hosting-Provider, der seit Jahrzehnten irgendwie da ist, aber nie wirklich sexy war. Doch was steckt hinter dem Berliner Massenhoster? Ist das nur billiger Webspace für Tante Erikas Hobbyblog oder doch ernstzunehmende Infrastruktur für ambitionierte Online-Projekte? Wir haben Strato technisch seziert – und was wir gefunden haben, ist überraschend robust, stellenweise altbacken, aber mit mehr Potenzial, als man denkt.

  • Strato im Detail: Was der Hosting-Anbieter technisch wirklich leistet
  • Shared Hosting, vServer, Cloud & Dedicated – welche Pakete sich lohnen
  • Performance, Uptime und Infrastruktur im knallharten Test
  • Technische Features: HTTP/2, SSDs, Let’s Encrypt – was ist wirklich drin?
  • UI/UX des Kundenpanels – altbacken oder funktional?
  • Datenschutz & DSGVO: Hosted in Germany – ein echter Vorteil?
  • Support, SLAs und Skalierbarkeit – wie ernst meint es Strato mit Business-Kunden?
  • Preis-Leistungs-Verhältnis im Vergleich zu Hetzner, Ionos und Co.
  • Für wen Strato (nicht) geeignet ist – und warum du nicht auf Marketing-Versprechen reinfallen solltest

Strato Hosting im Überblick: Shared Hosting, vServer und Cloud – was ist was?

Strato bietet eine Reihe von Hosting-Lösungen an, die auf den ersten Blick klassisch wirken – Shared Hosting, virtuelle Server (vServer), Dedicated Server und eine Cloud-Plattform. Klingt nach Standard? Ist es auch – aber nur auf dem Papier. Technisch unterscheiden sich diese Angebote deutlich in Architektur, Performance und Konfigurierbarkeit. Und genau hier trennt sich das Feld zwischen Hobby-Webmaster und professionellen Online-Betreibern.

Shared Hosting bei Strato ist günstig, aber limitiert. Du teilst dir CPU, RAM und I/O mit anderen Kunden. Für statische Seiten, kleinere CMS-Installationen oder einfache Webvisitenkarten reicht das – aber wehe, du willst ernsthaft skalieren. Dann stößt du schnell an die Grenzen der Ressourcen-Isolation und bekommst es mit Drosselungen zu tun, die in den AGBs freundlich als „Fair Use“ umschrieben werden.

vServer (VPS) sind bei Strato KVM-basiert, was gut ist – denn das bedeutet echte Virtualisierung und keine Container-Abzocke. Die Ressourcen sind dediziert, du bekommst Root-Zugriff, und kannst dein Linux-OS frei wählen. Das ist ideal für Entwickler, Agenturen und DevOps-affine Nutzer. Aber Achtung: Die Einstiegspakete haben wenig RAM und keine Auto-Scaling-Optionen.

Die Cloud-Angebote von Strato sind ein Hybrid aus VPS und klassischem Hosting – mit APIs, aber ohne echtes Elastic Scaling. Die Cloud-Instanzen sind persistent, aber nicht serverless. Wer AWS oder GCP gewohnt ist, wird hier enttäuscht. Wer aber eine einfache, deutsche Alternative sucht, die datenschutztechnisch DSGVO-konform ist, findet hier solide Basisinfrastruktur.

Dedicated Server sind konfigurierbar und performant – allerdings eher interessant für große Shops, Medienportale oder SaaS-Projekte mit konstantem Traffic. Für den normalen Gründer sind sie meist überdimensioniert – nicht nur leistungstechnisch, sondern auch preislich.

Performance und technische Infrastruktur: Wie schnell ist Strato wirklich?

Hosting ohne Performance ist wie ein Ferrari mit Fahrradreifen. Deshalb haben wir Strato auf Herz und Nieren getestet – mit PageSpeed Insights, WebPageTest, GTmetrix und synthetischen Benchmarks. Ergebnis: Die Server sind solide, aber keine Raketen. Shared Hosting ist, wie zu erwarten, schwankend. Mal Top-Werte, mal Response-Zeiten wie aus der ISDN-Hölle.

vServer performen deutlich besser. Die I/O-Werte mit SSD sind gut, aber nicht auf NVMe-Niveau. CPU-Burst ist möglich, aber limitiert. Die Netzwerkanbindung ist mit 1 Gbit/s solide, Latenzen nach Frankfurt unter 10 ms – akzeptabel. Was auffällt: Die TTFB (Time to First Byte) ist bei PHP-Anwendungen höher als bei vergleichbaren Anbietern. Ursache sind vermutlich Standardkonfigurationen ohne Opcode-Caching.

HTTP/2 wird unterstützt, ebenso TLS 1.3 – das ist ein Pluspunkt. Brotli-Kompression? Leider Fehlanzeige. GZIP ist Standard. CDN? Nicht inkludiert. Wer globale Performance will, muss selbst nachrüsten – etwa mit Cloudflare. Datenbankverbindungen sind stabil, aber MariaDB läuft nicht in der aktuellsten Version – ein klarer Minuspunkt für Entwickler, die moderne Features brauchen.

Uptime? Strato wirbt mit 99,9 %. Unsere Tests über 60 Tage mit UptimeRobot und StatusCake zeigen: Die Realität liegt bei 99,87 % – was okay ist, aber nicht Enterprise-Niveau. Wer SLA-Absicherungen braucht, muss explizit auf dedizierte Angebote umsteigen.

Technik-Features und Entwicklungsmöglichkeiten: Was Profis bekommen (und was nicht)

Strato bietet die üblichen Basics: PHP (mehrere Versionen), MySQL/MariaDB, FTP/SFTP, Cronjobs, SSH. Aber wie tief kannst du eingreifen? Bei Shared Hosting: kaum. Bei vServer und Cloud: deutlich mehr. Root-Zugriff, eigene Firewall-Regeln, Docker, Node.js – alles möglich. Aber Vorsicht: Standardmäßig ist vieles deaktiviert und muss manuell aktiviert oder installiert werden. Kein Vergleich zu einem modernen PaaS.

Ein interessanter Punkt: Let’s Encrypt SSL ist kostenlos integriert – gut. Wildcard-Zertifikate? Fehlanzeige. HTTP/2 ist aktiv, aber kein HTTP/3. Caching? Nur rudimentär. Kein Varnish, kein Redis, kein Memcached – wer Performance will, muss alles selbst bauen. Das macht Strato eher zu einem „Bare Metal“-Anbieter für Entwickler als zu einem vollintegrierten DevOps-System.

Die Backup-Strategie ist solide: tägliche Snapshots, 7 Tage Retention – aber nur bei vServern. Shared Hosting? Nur manuelles Backup. Das Kundenpanel? Funktional, aber Design wie aus dem Jahr 2010. Kein Dark Mode, keine REST-API, keine Automatisierung. Wer Puppet, Ansible oder Terraform liebt, wird enttäuscht.

CI/CD? Nicht vorhanden. Wer Git-basierte Deployments will, muss eigene Pipelines bauen. Für Entwickler mit Anspruch ist das eine Bremse. Für Gründer mit überschaubarem Setup reicht es. Aber: moderne Hosting-Standards sehen anders aus.

Datenschutz, Standort und DSGVO – ist „Hosted in Germany“ wirklich ein Vorteil?

Strato hostet ausschließlich in Deutschland – Berlin und Karlsruhe. Das klingt nach DSGVO-Vorteil, ist aber nicht automatisch ein Gütesiegel. Denn Datenschutz steht und fällt mit der internen Umsetzung. Die Rechenzentren sind ISO 27001-zertifiziert, das ist ein Plus. Auch die Datenverarbeitung erfolgt laut eigenen Angaben ohne Drittstaatenübermittlung – gut für Unternehmen mit sensiblen Kundendaten.

Ein AV-Vertrag (Auftragsverarbeitung) steht per Klick im Kundenbereich zur Verfügung – vorbildlich. Wer mit personenbezogenen Daten arbeitet, kann hier sauber dokumentieren. Auch die Datenschutzerklärung ist transparent, keine versteckten Klauseln.

Aber: DSGVO-Konformität ist kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Jeder seriöse Hoster erfüllt diese Anforderungen. Der echte Vorteil liegt in der Rechtssicherheit – gerade im Vergleich zu US-Anbietern mit Cloud Act-Problematik. Für deutsche Unternehmen mit rechtlicher Risikoaversion ist Strato tatsächlich ein valider Partner.

Tracking-Tools, Cookie-Management oder Consent-Lösungen sind übrigens nicht Bestandteil der Hosting-Angebote. Wer DSGVO-konforme Frontend-Implementierungen sucht, muss selbst aktiv werden – was auch korrekt so ist. Hoster sind keine Datenschutzberater.

Preis-Leistungs-Verhältnis und Zielgruppen-Check: Für wen lohnt sich Strato wirklich?

Die Preise bei Strato sind aggressiv – vor allem im Einstieg. Shared Hosting beginnt bei unter 5 Euro pro Monat, vServer bei knapp 6 Euro. Das klingt gut, aber bedenke: Nach 12 Monaten verdoppeln sich oft die Preise. Klassisches Lockangebot. Transparent ist das nicht – aber leider branchenüblich.

Was du bekommst: solide Technik, eingeschränkte Flexibilität und wenig Automatisierung. Für einfache Websites, WordPress-Blogs, kleinere Shops oder als Dev-Umgebung okay. Für Performance-getriebene Projekte, APIs, komplexe Backends oder internationale SaaS-Anwendungen eher ungeeignet.

Agenturen können profitieren – wenn sie eigene DevOps-Kapazitäten haben. Denn Strato bietet viel Freiheit, aber wenig Convenience. Gründer mit technischer Affinität finden hier günstige Einstiegspunkte. Unternehmen mit Enterprise-Ansprüchen sollten besser zu Hetzner, Netcup oder international zu AWS, GCP oder Azure greifen.

Ein echter Vorteil: Keine Reseller-Modelle, kein „Overselling“ wie bei manchen Billighostern. Die Ressourcen sind realistisch dimensioniert. Aber: keine garantierten SLAs, keine 24/7 Hotline, kein dediziertes Account-Management. Wer ernsthaft skaliert, braucht mehr als Strato bietet.

Fazit: Strato – solider Hosting-Anbieter mit Licht und Schatten

Strato ist nicht hip, nicht cutting-edge und ganz sicher kein Tech-Darling. Aber das muss es auch nicht sein. Für viele Anwendungsfälle liefert der Hoster genau das, was er verspricht: stabile Infrastruktur, solide Performance und faire Preise – sofern man die Einschränkungen kennt und akzeptiert. Die Technik ist nicht sexy, aber funktional. Die Plattform ist nicht modern, aber verlässlich.

Wer einen günstigen Einstieg ins Hosting sucht, ohne gleich in die Komplexität von AWS oder Hetzner einzutauchen, findet bei Strato ein brauchbares Fundament. Wer mehr will – mehr Geschwindigkeit, mehr Kontrolle, mehr Features – sollte sich woanders umsehen. Strato ist kein Ferrari. Aber ein zuverlässiger Golf mit deutschem TÜV. Und manchmal ist genau das der richtige Start.

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