Tenable Nessus: Schwachstellenmanagement neu gedacht
Du glaubst also, deine IT-Infrastruktur ist sicher, weil dein Antivirus keine Alarmglocken schrillen lässt? Herzlichen Glückwunsch zur Illusion. Willkommen in der realen Welt der Schwachstellen, Exploits und Zero-Days – wo Angreifer nicht schlafen und deine Sicherheitsstrategie meistens nur aus Hoffnung besteht. Tenable Nessus verspricht, genau das zu ändern. In diesem Artikel nehmen wir das Tool auseinander, zeigen, was es kann, was es nicht kann, und warum Schwachstellenmanagement nicht länger ein verstaubtes Compliance-Kapitel ist, sondern ein verdammt kritischer Teil deiner digitalen Überlebensstrategie.
- Was Tenable Nessus wirklich ist – und warum es kein “Antivirus für Fortgeschrittene” ist
- Wie Nessus Schwachstellen entdeckt, klassifiziert und priorisiert
- Die Unterschiede zwischen Nessus Essentials, Professional und Tenable.io
- Warum CVEs, CVSS und Remediation Workflows mehr als nur Buzzwords sind
- Wie sich Nessus in DevSecOps-Umgebungen integrieren lässt
- Schwachstellenscans richtig planen, timen und interpretieren
- Nessus vs. Konkurrenz: OpenVAS, Qualys, Rapid7 – wer gewinnt das Rennen?
- Warum Schwachstellenmanagement kein einmaliges Projekt ist – sondern ein Dauerlauf
Was ist Tenable Nessus? Schwachstellenmanagement auf Enterprise-Niveau
Tenable Nessus ist kein weiteres Security-Tool, das du nach der Installation ignorieren kannst. Es ist einer der weltweit führenden Schwachstellenscanner, der systematisch IT-Infrastrukturen auf Sicherheitslücken prüft. Entwickelt wurde Nessus ursprünglich von Renaud Deraison in den 1990ern – damals noch als Open-Source-Projekt. Heute gehört es zur Tenable Inc. und ist in seiner Professional-Version ein de-facto-Standard für Schwachstellenanalysen in Unternehmensnetzwerken.
Das Prinzip hinter Nessus ist einfach, aber brutal effektiv: Es scannt Systeme, Dienste, Ports und Anwendungen auf bekannte Sicherheitslücken. Dabei arbeitet es mit einer ständig aktualisierten Datenbank aus CVEs (Common Vulnerabilities and Exposures) und prüft, ob deine Assets (also Server, Clients, Netzwerktechnik) für diese Schwachstellen anfällig sind. Und ja – das betrifft auch deine “vermeintlich sicheren” Linux-Boxen und Cloud-Instanzen.
Der Clou: Nessus liefert nicht nur eine Liste mit “hier ist was kaputt”, sondern priorisiert die Schwachstellen nach Schweregrad (meist basierend auf dem CVSS – Common Vulnerability Scoring System), zeigt Exploit-Verfügbarkeiten auf und gibt konkrete Handlungsempfehlungen. Das macht aus einem simplen Scan ein echtes Werkzeug zur Risikominimierung.
Ob du ein Mittelstandsunternehmen mit 50 Geräten oder ein globaler Konzern mit zehntausenden Assets bist – Nessus passt sich an. In der Essentials-Variante kostenlos (für bis zu 16 IPs), in der Professional-Version mit voller Kontrolle und API-Zugriff, oder als Teil der Tenable.io-Plattform für umfassendes, cloudbasiertes Schwachstellenmanagement im großen Stil.
Wie Nessus Schwachstellen erkennt: Scanning, CVEs und Priorisierung
Das Herzstück von Tenable Nessus ist der Schwachstellenscan. Und der ist alles andere als ein stumpfer Portscan. Nessus nutzt über 160.000 Plugins (Stand 2024), um Systeme auf Schwachstellen zu prüfen. Diese Plugins sind im Prinzip kleine Code-Snippets, die gezielt nach spezifischen CVEs suchen, etwa einer ungepatchten Apache-Version oder einer falsch konfigurierten SMB-Freigabe.
Ein Scan läuft in mehreren Phasen ab:
- Host Discovery: Welche Hosts sind überhaupt erreichbar?
- Port Scanning: Welche Ports sind offen, welche Dienste laufen?
- Service Detection: Welche Versionen laufen genau auf dem Zielsystem?
- Vulnerability Assessment: Welche bekannten Schwachstellen betreffen diese Versionen?
- Reporting & Remediation: Was ist kritisch, was nicht, und was tun wir als Nächstes?
Die Resultate werden mit dem CVSS bewertet – einem standardisierten Scoring-System, das Schwachstellen von 0 (harmlos) bis 10 (kritisch) einordnet. Nessus ergänzt das durch Kontextinformationen: Gibt es für diese Schwachstelle fertige Exploits (z. B. in Metasploit)? Wird sie aktiv ausgenutzt? Ist sie remote-exploitable oder nur lokal?
Das Ergebnis: Du bekommst nicht nur eine Liste mit “du hast ein Problem”, sondern eine Risikomatrix, die dir sagt, welches Problem du zuerst beheben solltest – und warum. Klingt simpel? Ist aber Gold wert, wenn du nicht in einem Patch-Marathon untergehen willst.
Nessus Essentials, Professional oder Tenable.io – was brauchst du wirklich?
Die Frage aller Fragen: Welche Version von Nessus ist die richtige für dich? Die Antwort hängt von deiner Umgebung und deinem Skill-Level ab. Hier ein Überblick der wichtigsten Unterschiede:
- Nessus Essentials: Kostenlos, aber limitiert auf 16 IP-Adressen. Ideal für kleine Netzwerke, Lab-Umgebungen oder als Einstieg in die Welt des Schwachstellenmanagements.
- Nessus Professional: Kommerziell, keine IP-Limits, API-Zugriff, erweiterte Berichte, geplante Scans. Standard für IT-Abteilungen und kleinere Security-Teams, die lokale Kontrolle wollen.
- Tenable.io: Cloudbasiertes Schwachstellenmanagement, Asset-Discovery, Container-Scanning, Web-App-Scans, Integration in CI/CD-Pipelines. Für große Unternehmen und DevSecOps-Umgebungen.
Die Wahl hängt davon ab, ob du lokal arbeitest oder skalieren willst. Nessus Professional ist robust und effizient – aber es ist eben kein zentrales Management-Tool für 10.000 Assets. Dafür brauchst du Tenable.io oder Tenable.sc. Letzteres ist die On-Premise-Variante für große, regulierte Umgebungen (Banken, Behörden, Industrie).
Wichtig: Alle Varianten greifen auf dieselbe Plugin-Datenbank zurück. Du bekommst also dieselbe Schwachstellenintelligenz – unabhängig von der Lizenz. Der Unterschied liegt in der Skalierung, der Automatisierung und der Integration in deine Umgebung.
Integration in DevSecOps: Nessus als Teil deiner CI/CD-Pipeline
Sicherheitslücken entstehen nicht nur durch veraltete Systeme – sondern auch durch schlechte Deployments, schlampige Konfigurationen und unauditierten Code. Deshalb setzen moderne Unternehmen auf DevSecOps: Sicherheit als integralen Bestandteil des Entwicklungsprozesses. Und hier kommt Nessus ins Spiel – nicht als Reaktionstool, sondern als Frühwarnsystem.
Mit Tenable.io kannst du Schwachstellenscans automatisiert in deine CI/CD-Pipeline integrieren – etwa via Jenkins oder GitLab CI. Neue Builds, Container oder Images werden automatisch gescannt, bevor sie in Produktion gehen. Das verhindert, dass neue Schwachstellen überhaupt erst in deine Live-Umgebung gelangen.
Auch Infrastructure as Code (IaC) lässt sich scannen: Terraform- oder CloudFormation-Skripte können auf Fehlkonfigurationen geprüft werden, bevor sie deployed werden. Nessus wird so vom reaktiven Scanner zum proaktiven Sicherheitslayer – ein echter Gamechanger für DevOps-Teams mit Sicherheitsanspruch.
Die APIAPI – Schnittstellen, Macht und Missverständnisse im Web API steht für „Application Programming Interface“, zu Deutsch: Programmierschnittstelle. Eine API ist das unsichtbare Rückgrat moderner Softwareentwicklung und Online-Marketing-Technologien. Sie ermöglicht es verschiedenen Programmen, Systemen oder Diensten, miteinander zu kommunizieren – und zwar kontrolliert, standardisiert und (im Idealfall) sicher. APIs sind das, was das Web zusammenhält, auch wenn kein Nutzer je eine... von Nessus Professional erlaubt dir zudem, eigene Automatisierungen zu bauen: etwa Skripte, die nach jedem Scan automatisch Tickets in Jira eröffnen, Reports generieren oder bestimmte Hosts isolieren. Klingt nach Aufwand? Ist es – aber es spart dir später den Feuerwehreinsatz.
Nessus vs. Konkurrenz: Wer scannt besser?
Nessus ist bekannt – aber nicht allein. Im Schwachstellenmanagement tummeln sich einige ernstzunehmende Konkurrenten: OpenVAS (heute Greenbone), Rapid7 Nexpose/InsightVM, Qualys, BeyondTrust. Die Frage ist also: Warum Nessus?
OpenVAS ist Open Source und kostenlos, aber in Sachen Plugin-Abdeckung, Performance und Reporting deutlich schwächer. Rapid7 bietet mit InsightVM eine starke Cloudlösung, ist aber preislich deutlich über Nessus angesiedelt. Qualys punktet mit einem riesigen Cloud-Ökosystem, ist aber komplex in der Integration. Nessus bleibt oft die pragmatischste Lösung: schnell, zuverlässig, bezahlbar – und mit einer riesigen Plugin-Datenbank.
Die Schwächen von Nessus? Kein integriertes Patch-Management, eingeschränkte Cloud-Asset-Erkennung in der Standalone-Version, und keine native Agentenlösung wie bei Qualys. Aber für viele Unternehmen ist das völlig okay – weil der Fokus klar ist: Schwachstellen finden, priorisieren, melden. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Fazit: Schwachstellenmanagement ist kein Projekt, sondern ein Prozess
Wenn du nach diesem Artikel immer noch glaubst, dass ein monatlicher Scan mit Nessus reicht, um deine Infrastruktur sicher zu halten, dann hast du ihn nicht verstanden. Schwachstellenmanagement ist ein kontinuierlicher Prozess, der sich mit jeder neuen CVE, jedem neuen Asset, jedem Deployment verändert. Nessus ist ein verdammt starkes Werkzeug – aber es ist nur dann wirksam, wenn du es regelmäßig, systematisch und strategisch einsetzt.
Die meisten Sicherheitsvorfälle passieren nicht, weil es keine Tools gab – sondern weil niemand hingeschaut hat. Nessus schaut hin. Und wenn du es richtig konfigurierst, priorisierst und integrierst, ist es dein bester Verbündeter im Kampf gegen Exploits, Ransomware und Management-Ignoranz. Aber nur dann. Also hör auf, auf Glück zu hoffen – und fang an, Schwachstellen zu managen. Richtig.
